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MÄRZ 2014 / DIE SCHWARZE SPINNE NACH JEREMIAS GOTTHELF / THEMENAUSSTELLUNG

GOTTHELF IN UNSERER ZEIT

EINE THEMENAUSSTELLUNG IM KUNSTFORUM ARTYOURSELF SURSEE


In Sursee finden im März Gotthelf-Wochen statt, den Schwerpunkt bildet das Theater „Die schwarze Spinne“ im „Somehuus“. Und ergänzend dazu gibt es nebenan im Kunstforum Artyourself eine Kunstausstellung: Neun Kunstschaffende aus der Region zeigen ihre Werke.


Vorweg eine Klarstellung: Diese Ausstellung bildet nicht 1:1 die Gotthelf-Welt ab: schöne Albert Bitzius-Porträts, liebliche Emmentaler Landschaften, behäbige Bauernhäuser mit viel Dach und wenig Licht, üppige Gemüsegärten und feisse Geranien.

Schliesslich ist es eine Kunstausstellung. Und Kunst soll und darf und muss: verfremden oder verhüllen, reduzieren oder provozieren, verschleiern oder verunsichern, verwirren oder beseelen.


Verfremden und verhüllen

So hat zum Beispiel Hanspeter Dahinden, Fotograf, Räume verfremdet. Er hat alte verlassene Bauernhäuser mit seiner Kamera begangen, und mit dem Spezialeffekt (360/180 Grad) die Wirklichkeit verblüffend verfremdet - sphärische Panoramen geschaffen.

Riesige Kokons sind von Stefan Rösli zu sehen. Die Natur wird umgarnt von Technik (Stretchfolie), der Inhalt verhüllt: Erschreckendes oder Wundersames? Freuden oder Leid? Und daneben unverhüllt eine lebensgrosse Kuh, auf  Bauflies.


Reduzieren und provozieren

Jeremias Bucher reduziert die Schlüsselstelle in „Die schwarze Spinne“ auf ein Minimum: 10 Loch-Zeichnungen, in verschiedensten Techniken, die letzte mit einem veritablen Zapfen, den man hineinpressen könnte in das Loch im Fensterladen: Zapfen drauf, Spinne weg! Und Probleme auch?

GotthelfWelt ist bei Richard Zürchers offensichtlich präsent: Geissel, Kummet, Stola, Axt, Spaltstock. Und die Titel bestätigen es: Angst, Last, Moral, Wut, Opfer, Unterjochung. Also nicht heile Welt, sondern unterdrücktes Volk, selbstherrliche Obrigkeit. Da wird hinterfragt – eben provoziert. Wenn zum Beispiel aus dem Spaltstock eine Geissel herauswächst, mit dem letzten Zwick – einem Rosenkranz!


Verschleiern und verunsichern

Christian Siegenthaler zeigt grossformatige Ölbilder, es sind sich ausdehnende Farbflächen mit Unschärfen; düster und bedrohlich wirkende Landschaften werden verschleiert. Erst bei längerem Betrachten löst sich der Schleier:

Körperformen werden sichtbar, verbinden sich mit der Landschaft.

Wer glaubt, die schwarze Spinne sei endgültig erledigt, sieht sich bei Daniella Tuzzi mit der heimlichen unheimlichen Botschaft konfrontiert: das Übel ist nicht ausgerottet. Es kommt uns entgegen, nicht als Spinne, die Angst einflösst und hysterisch macht. Sondern ganz elegant und gezüchtet - als Nerze, heimtückisch und hinterhältig.


Verwirren und beseelen

Verwirrend die Gebilde von Alois Grüter: Ist es Wurzelwerk oder Kunstgebilde? Natürlich oder künstlich? Verwurzelt oder entwurzelt? Oder ist es gar das zerstörerische Werk der schwarzen Spinne, die wuchert und überwuchert?

Ausgangspunkt der Videoinstallation ist für Stofer & Stofer das überlieferte Bild:

Arme Seelen, die nicht in den Himmel kommen, müssen auf eisigen Gletschern wandeln, bis die Strafe verbüsst ist. So erscheint denn auf dem Video eine Leuchtgestalt, Geräusche und Tonfetzen im Hintergrund; sie sitzt und wartet, die Hände gefaltet, bis sie erlöst wird.


Eine vielfältige Ausstellung, die verunsichert oder verwirrt, die provoziert oder beseelt. Und zu hoffen ist, dass Betrachtende berührt werden: irgendwo, irgendwie, von irgend etwas.



Sursee, 24. März 2014

Urs Wigger

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